Slowenien

Mangart 2.679 m: Klettersteig Slovenska pot

Der vierthöchste Berg Sloweniens — mit dem Auto bis zum Sattel. Unterhaltsamer Klettersteig hinauf, Normalweg hinunter, Runde in 5–6 Stunden.

KlettersteigGipfel Mittel Slowenien
6 km ↑ 700 m 5 h
VI–X Klettersteigset, Helm
Mangartsko sedlo (mýto 10 EUR)

Ein Erlebnis voller Adrenalin und herrlicher Ausblicke

Der Mangart ist ein weiterer großartiger Gipfel der Julischen Alpen, der sich definitiv lohnt. Nach dem Triglav war er mein zweiter slowenischer Gipfel — und ehrlich gesagt vielleicht sogar das bessere Erlebnis. Mit 2.679 m ist er der vierthöchste Berg Sloweniens, und auf dem Gipfel steht man direkt an der Grenze zu Italien.

Direkt zum Gipfel führen zwei Routen: der Klettersteig Slovenska pot (B, 1+) und der Normalweg. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, am interessantesten ist wohl der Klettersteig Via Italiana (C). Aussichtsreich ist auch die Gratroute von der slowenischen Seite über den Kotovo-Sattel. Wir haben uns aus Zeitgründen und wegen meiner Kondition nach einer Schulteroperation für die Slovenska pot entschieden.

Blick auf den Mangart vom Parkplatz
(Kein) Blick auf den Mangart von der Terrasse oberhalb der Hütte

Anfahrt und Straße

Um nicht schon vor Sonnenaufgang aufstehen zu müssen, haben wir im Auto bei einer alten Militärbatterie auf der italienischen Seite geschlafen. Morgens sind wir nur über die Grenze gefahren und ein Stück ins Tal hinab, wo die von der italienischen Armee gebaute Bergstraße abzweigt. Die Straße zum Mangart-Sattel ist die höchste Straße Sloweniens und kostet 10 EUR Maut (2024). Schon um 6:30 Uhr war die Schranke besetzt — die ganze Nacht steht dort aber vermutlich niemand :).

Man informierte uns über einen Steinschlag, der obere Teil des Sattels war gesperrt. Die Straße ist wunderschön, aber sehr schmal und tagsüber voller ehrgeiziger Rennradfahrer. Es warten viele Kehren und Tunnel, und man muss mehrmals zu Ausweichstellen zurücksetzen — bergauf wie bergab.

Parken

Wir haben einen der letzten freien Plätze bekommen — also nicht trödeln und wirklich früh losfahren. Da der obere Teil der Straße mit weiteren Parkplätzen oft gesperrt ist, ist die Kapazität ziemlich begrenzt. Bitte nicht an den Ausweichstellen entlang der Straße parken — leider standen dort meist Autos mit tschechischem Kennzeichen…

Koča na Mangrtskem sedlu

Auf dem Weg kommt man an der Mangart-Hütte vorbei, wo man sich vor und nach der Tour stärken kann. Wir haben zumindest einen Kaffee getrunken und das WC benutzt (0,50 EUR Gebühr). Die Hütte bietet auch Übernachtungen an, Reservierung über die Kontakte des slowenischen Alpenvereins.

Aufstieg über den Klettersteig Slovenska pot (B, 1+)

Von der Hütte folgt man der roten Markierung bis zur Verzweigung unterhalb des Kleinen Mangart. Dort kann man Richtung Biwak zur Via Italiana abzweigen. Steigt man weiter, erreicht man die Verzweigung, an der man entweder auf dem Normalweg bleibt oder in den Klettersteig Slovenska pot einsteigt. Der Einstieg ist nach ein paar Minuten im Geröll erreicht, davor gibt es einige ebene Stellen zum Anlegen des Gurts. Der Steig beginnt in einer Felsspalte, die Schwierigkeit entspricht meiner Meinung nach eher B/C. Unterwegs gibt es allerdings einige ungesicherte Passagen, wo ein Seil wirklich sein sollte (und könnte).

Einstieg in der Felsspalte
Auf dem gesicherten Steig

Die exponiertesten Stellen sind ausgerechnet nicht gesichert, deshalb trifft man unterwegs viele Leute ohne Klettersteigset. Erfahrene brauchen es vermutlich nicht, aber an den Helm möchte ich erinnern — Steinschlag ist hier ziemlich häufig. Geübte Kletterer müssen sich keine Sorgen machen, die Passagen sind nicht schwer, Anfänger können beim Blick nach unten aber schon mal „einfrieren“. Starker Wind und Nässe können die Sache zusätzlich erschweren.

Slovenska pot — Gehgelände
Slovenska pot — leichte ungesicherte Passage

Wer vor Mitte Juli aufbricht, muss mit zahlreichen Schneefeldern rechnen, die das Seil verdecken können. In dieser Zeit unbedingt Steigeisen und idealerweise auch einen Pickel mitnehmen. Im oberen Teil fließt Schmelzwasser über den Fels, der Steig ist stellenweise ziemlich rutschig.

Der Aufstieg über die Slovenska pot macht richtig Spaß und dauert etwa eineinhalb Stunden inklusive Fotopause. Im letzten Teil gibt es einen Aussichtspunkt, von dem man (bei gutem Wetter) den ganzen Grenzkamm zu Italien sieht. In den gesicherten Passagen gibt es viele Eisenklammern, umgehängt wird ständig. Insgesamt ist es weniger Kletterei als eine Kombination aus Klettersteig und Gehgelände. Am Gipfel warten ein schönes Kreuz und, wenn die Wolken mitspielen, herrliche Ausblicke auf die slowenischen und italienischen Berge.

Erstes Schneefeld kurz unterhalb des Gipfels
Gipfelkreuz am Mangart

Abstieg über den Normalweg

Vom Gipfel bietet sich der Abstieg über den Normalweg an. Den Klettersteig hinabzusteigen empfehle ich definitiv nicht — es stört die aufsteigenden Kletterer, und wer schon einmal einen Klettersteig hinuntergestiegen ist, weiß, dass es etwas ganz anderes ist als hinauf. Der Normalweg ist wieder reich an Ausblicken, es zeigen sich die Bergkämme Richtung Triglav. An der Verzweigung kann man zum Mangart-Sattel zurückkehren oder über den Grat zum Kotovo-Sattel weitergehen.

Mitte Juli überquert man ein paar Schneefelder (manche auch auf dem Hosenboden :D), sonst ist der Weg unschwierig und dicht mit Seilen versichert. Der Abstieg zieht sich, bietet aber Ausblicke auf die schönen italienischen Seen Lago di Fusine. Zurück zum Auto braucht man insgesamt etwa eineinhalb Stunden.

Fazit

Die Besteigung des Mangart ist ein großartiges Erlebnis, das den Adrenalinkick eines Klettersteigs mit herrlichen Alpenpanoramen verbindet. Egal welche Route man wählt — der Mangart bietet unvergessliche Momente im Herzen der Julischen Alpen. Die ganze Runde dauert je nach Kondition und Fotopausen 5–6 Stunden.

Nicht vergessen: Es wartet noch die Fahrt hinunter über die Bergstraße — und glaubt mir, nachmittags ist dort deutlich mehr los als am Morgen. Große Vorsicht bei den Radfahrern, manche halten sich für Tadej Pogačar :)